Geschichte des Equiden Zwergenwuchses

Zwerge stammen von zwei Individuen ab, welche beide eine Mutation hierfür entwickelt haben. Keine Gründertiere sind in diesem Sinne bekannt. Die eigentlichen Gründertiere, auf die Zwergenwuchs zurück zu führen sein wird, waren sicherlich Trägertiere gewesen und sahen vollkommen normal aus, da es sich um einen rezessiven Erbgang handelt (siehe Vererbung). Ein Beispiel für einen weiteren rezessiven Erbgang in der Familie der Equiden wäre HERDA. Hier wiederum ist die Poco Bueno Linie (1944) die Gründerlinie, der Ursprung. Bis 1971 waren keine von HERDA betroffenen Tiere bekannt. Dies war deshalb der Fall, weil bis dahin keine Inzucht auf diese Linie betrieben wurde. Erst durch Inzucht auf Poco Bueno wurden die rezessiven Gene "zusammengetragen". Zwergenwuchs ist ähnlich betroffen, Trägertiere zeigten keine Krankheitsanzeichen, erst die späteren Generationen.

 

Da niemand Aufzeichnungen über Zwergenwuchs führte und die meisten Zwerge tot zur Welt kamen gibt es keine Informationen darüber. Entsprechend ist es fast unmöglich weit zurück zu forschen, ob und wo es Gründertiere geben könnte. Nur Gentests können helfen diese Erbkrankheit so weit wie möglich aus dem Genpool zu entfernen und zu reduzieren. Weil Zwergenwuchs rezessiv ist kann es sich über unzählige Generationen hinweg in einer Familie oder Linie verstecken, ohne dass auch nur ingezogen wird. Allerdings, das ist die Natur der künstlichen Selektion (Zucht), wird irgendwann ingezogen, auch wenn es Jahrhunderte später passiert.

Liz C./Threnody works
Liz C./Threnody works

Genfluss - Popular Sire Syndrome

In der Vergangenheit wurde beim Miniaturpferd die Größe höher bewertet als die Korrektheit des Körperbaus. In den 60er und 70er Jahren haben zwergenwüchsige Miniaturpferde die Showringe gewonnen, weil sie so winzig waren, auf Grund ihrer Krankheit. Zwergenwüchsige Hengste wie Bond Tiny Tim (ACAN) und Del Teras Lord of the Isles (SA) konnten so ihre krankhaften Gene über die ganzen Nachkommen verteilen. Es gibt noch andere sehr produktive zwergenwüchsige Hengste neben diesen beiden. Diese zwei sind die bekanntesten.

Bond Tiny Tim mit Nachkommen
Bond Tiny Tim mit Nachkommen
Del Terra´s Lord
Del Terra´s Lord

Gerade deshalb weil Zwergenhengste einige Zeit so begehrt waren hat die Zucht natürlich unter der Verbreitung der Zwergengene stark gelitten. Diesen Effekt nennt man "Popular Sire Syndrome". Ein Genflusseffekt bei dem ein äußerst produktiver Hengst seine Merkmale oder Krankheiten weit über den Genpool verteilt. (Der Quarter-Horse Hengst "Impressive", welcher HYPP verteilte ist ein anderes Beispiel von "popular sire effect"). Alle Nachkommen von zwergenwüchsigen Hengsten sind somit im Minimum Trägertiere, aber nicht alle ihrer Enkel müssen es sein. Obwohl es Linien mit Zwergen gibt sollte man sich darüber im Klaren sein, und es ist gut dies anzumerken, dass nicht alle Nachkommen (eben die Enkel) diese Krankheit tragen müssen. Trotzdem sind alle Miniaturpferdelinien mögliche Zwergengenträger ohne Bezug auf das Pedigree. Es wird geschätzt, dass über die Hälfte der Miniaturpferde eine Form des Zwergenwuchses tragen.

 

 

Kontakt:

Marleen Binder

zwergenwuchs@mail.de

RIP Daisy, 11.05.2006, Zwergenfohlen mit Skelettatavismus
RIP Daisy, 11.05.2006, Zwergenfohlen mit Skelettatavismus



Besuchen Sie doch auch meine andere Webseite:

www.silverdapple.jimdo.com